Nun war es endlich soweit – Die Transalp, MTB Highlight und ein Must unter den Bike Events der Welt für alle Moutainbike Verrückten.

Die 20. und damit eine Jubiläumsausgabe der legendären Hatz über die Alpen stand vor der Tür und heuer erstmals dabei waren zwei unserer Langstrecken-Junkies von der Union Kollerschlag – Markus Lehner und Dr. Andreas Leitner.

545km, knapp 18000hm bergauf (natürlich auch in Tiefenmetern wieder bergab) an 7 aufeinanderfolgenden Renntagen – so die nüchterne Vorgabe die auf Markus und Andreas wartete.

„I’m on a highway to hell“ so erklang es jeden Morgen aus den Boxen im Startbereich um die müden Bikerwaden wieder in Schwung zu bringen – nachfolgend der Erfahrungsbericht warum dieser ACDC Klassiker der Bike Transalp 2017 wohl mehr als gerecht wurde.

Etappe 1 – Mayrhofen – Brixen (104km, 3119hm)

Am Morgen des 16.7. pünktlich um 9h fiel in Mayrhofen im Zillertal der Startschuss. Bewaffnet mit Kondition, Ehrgeiz und dem unbedingten Willen das Abenteuer zu finishen , standen Andi und Mark am Start.
Die Königsetappe bereits am ersten Tag, d.h. 104km, 3119hm. Am Beginn noch kräftesparend auf Asphalt ging es für unsere Biker hinauf zum Schlegeisspeicher und anschließend auf Wurzel- und Felspfaden, teils fahrend, teils schiebend, teilweise den Carbonesel geschultert weiter hinauf auf das Pfitscherjoch, dem höchsten Punkt der diesjährigen Transalp. 1700hm am Stück waren bei brütender Hitze ein hartes Stück Arbeit, was jedoch durch die anschließend, rasante Abfahrt Richtung Sterzing auf Forststraßen belohnt wurde. Dabei galt es die Beine zu lockern und zu schonen, denn es wartete die nächste kräftezehrende Herausforderung, die Auffahrt und Überquerung des Valserjöchl. Und dieses, heuer erstmals bei der Transalp gefahrene Teilstück hatte es in sich. 800hm – ein leichtes für unsere Marathonisti? – mit Nichten und Neffen – mit Steigungen zwischen 15 und 20% durchgehend, bei 30°C forderte es unsere beiden Sportler bis ans letzte ihrer Reserven, sodass Krämpfe und Beinahe-Verzweiflung bereits am ersten Tag in ihre Gesichter geschrieben standen. Die Richtung Ziel führenden, durch Weingärten gezirkelten Trails waren jedoch eine Wiedergutmachung und so endete Tag eins nach knapp 6.20h Fahrzeit im Ziel in Brixen.

Etappe 2 -Brixen –St. Vigil in Enneberg(63km, 2668hm)

Nach Dusche, Essen, Massage (durch das weltbeste Betreuerteam Alex und Nina Kronawitter) und ausreichend Schlaf, was Angesichts der Strapazen des ersten Tages kein Problem darstellte, startete das Feld am 2. Tag Richtung St. Vigil. Das Höhenprofil versprach auch heute, dass die Beine abends um Gnade winseln würden. Der Anstieg auf die Plose, 1800hm am Stück auf ca. 20km, wie gestern anfangs Asphalt, ab der Plose Talstation auf Forstwegen mit durchschnittlichen Steigungen um die 15% verlangten Markus und Andi wiederum alles ab. Die Trails jedoch auf der Plose, Blick Richtung Dolomiten, spielten in einer eigenen Liga – wow – Ehrenkategorie. Nach einem neuerlichen kurzen Anstieg auf das Würzjoch surften Markus und Andi noch einmal auf Trails, kaum eine Hand breit, durch die Dolomitenwälder und gelangten nach 4h15min ins Ziel in St. Vigil.
Es folgte das bereits von gestern bekannte Procedere – Waschen (Bike+ Pilot), Essen, Massage, Schlafen – kurz gesagt „eat, sleep, ride, repeat“ (Motto für die Transalp ;-) )

Tag 3 – St. Vigil – St. Christina in Wolkenstein (65km, 2500hm)

Mit etwas schweren Beinen gings auf die 3. Etappe – neutralisierter Start in St. Vigil für 6 km, immer leicht bergauf, in einem Höllentempo, das die Profiteams am Beginn des Feldes anzogen. Mit etwa 30km/h rasten unsere 2 in einer Gruppe auf der Strasse nach Pederü. Gut im Windschatten geduckt konnten Mark und Andi auf dem anschließenden, langen mit groben Geröll gespickten Anstieg aufs Limojoch und Tagedajoch viele Plätze gut machen. Vorbei an Fanes und Großfanesalm bretterten unsere Kollerschlager Richtung St. Kassian – die Trails so flowig und die Landschaft so schön dass es einem fast die Sicherung raushaut. Es folgte eine ausgewiesene Tragepassage, mit 400tm, bei der ein Klettersteigset wohl eher die geeignete Ausrüstung gewesen wäre als Bikeschuhe mit Carbonsohle plus Bike auf dem Rücken des bereits erschöpften Trägers. Aber gemäß dem Motto “wer sein Rad liebt, der schiebt“ oder trägt, meisterten die beiden auch diese Hürde.
Danach folgte die Auffahrt zum Grödnerjoch sowie nach einer kurzen, ruppigen Trailabfahrt der letzte Scharfrichter des Tages der Anstieg zum Sellajoch und der Steinernen Stadt. Hier oben mussten Mark und Andi aufpassen niemanden umzufahren, denn es herrschte Betrieb wie normalerweise auf österreichischen Autobahnen zu Beginn der deutschen Sommerferien – Touristenslalom oder Sandalen RTL, sozusagen. Bergab gings dann richtig zur Sache auf Schipiste und alten Karrenweg über knapp 1000tm am Stück, welche die Scheibenbremsen unserer Protagonisten gehörig zum glühen brachten. Im Ziel standen 4h40min. auf der Uhr, Platz 69 bei den Herren nach Rang 84. am ersten und 79 am 2 Tag. Es ging vorwärts. „Eat, sleep, ride, repeat“

Tag 4 – St. Christina – Kaltern am See (99km, 3000hm)

Und wieder ein echter Marathon über knapp 100km. In ständigem Bergauf und -ab ging es auf Asphalt, Forststraßen und Trails, ähnlich dem heimischen Mühlviertel, nach Kaltern am See. Über die Hochebene der Seiseralm umrundeten Mark und Andi Langkofel und Schlern, kämpften sich nach einem kräftezehrenden Anstieg nach Deutschnofen auf teils ruppigen Trails über wiederum 1000 Tiefenmetern ins Etschtal. Dort noch über den Kojotenpass, mit gerademal 150hm, die es für unsere 2 Sportler in der sengenden Mittagshitze jedoch nochmals in sich hatten. Nach harter, weil steiler und technisch anspruchsvoller Abfahrt in die Weingärten vor Kaltern. Über die Radroute erreichten Mark und Andi, ausgetrocknet wie Dörrpflaumen, bei über 35°C das Ziel bei einer der zahlreichen Weinkeltereien in Kaltern am See nach 5h30min als 64. Herrenteam. „Eat, sleep, ride, repeat“ ;-)

Tag 5 – Kaltern – Trento (85km- 2620hm)

Auf ins Trentino – Ziel in der Großstadt Trento. Nach dem Start, 15km neutralisiert auf der Hauptstraße bis Neumarkt. Hört sich entspannt an, könnte es auch sein, wenn es nicht auch hier, wie immer im Leben, völlig hirnbefreite Idioten gäbe denen das Wort „neutralisiert“ offensichtlich so viel sagt wie einem Neugeborenen der Satz des Pythagoras – so kam es zu wahnwitzigen Szenen im Feld (bsp. Stürze, beim Versuch einen Kreisverkehr via Luftlinie zu überqueren,…;-)))))
Unsere Langstrecken erfahrenen Biker bewahrten einen kühlen Kopf und hielten sich aus allen Scharmützeln heraus um anschließend auf dem 1200hm Anstieg auf den Gfrillner Sattel den Gäulen richtig die Sporen zu geben. Danach folgte ein abwechslungsreicher Ritt über Trails, Wald und Karrenwege im Zick-Zack durch die Lärchenwälder des Trentino. Ein letzter Anstieg auf den Monte Calisio stellte die Beine von Mark und Andi noch einmal richtig auf die Probe. Auf grobsteinigen Karrenwege mit maximaler Steigung von 30%! über einige hundert Meter pressten die zwei noch einmal alles aus ihren Waden und Lungenflügeln heraus und konnten hier viele, am Rande ihrer Reserven angelangte Biker stehen lassen. Nach mittlerweile zur Routine gewordenen Downhillen auf den maximal Handtuchbreiten Supertrails rund um Trento, überquerten die beiden natürlich gemeinsam die Ziellinie nach 5h3min. als 67. „Ride hard or go home“

Tag 6 – Trento – Lavarone (50km, 2000hm)

Die Zahlen deuteten auf die leichteste Etappe der 7 Tage hin. Tja, so kann man sich täuschen, was auch unsere Alpenüberquerer spüren mussten. Stetig bergauf, keine Zeit sich zu erholen, das wars. Der Transalp Tross erklomm von Trento aus, sozusagen stufenweise die Hochebene von Folgaria, Lavarone und Luserna. Vorbei an einigen Fort’s aus dem 1. Weltkrieg kletterten Mark und Andi, auf Waldwegen und Trails, mit guten Beinen hinauf bis auf den Monte Tablat. Abschließend folgte die Belohnung mit dem Downhill durch den Bikepark Lavarone. 3h20min standen auf der Ziellinie zu Buche, damit Tages Rang 65. „Happy Birthday“ oder „This is the end, my friend(s)“

Tag 7 – Lavarone –Riva del Garda (79km, 2120hm)

Der letzte Tag der Jubiläumstransalp war gekommen. Ein letztes Mal motivieren hieß es für Mark und Andi, noch einmal destilliertes Biken in hochprozentiger Dosis. Nach dem Start ging es bis zum Dosso del Sommo erst mal wieder gut 1000hm bergauf, vorbei an zahlreichen Forts und Festungen aus dem 1. Weltkrieg. Danach ein heißer Ritt auf Waldwegen, schwierig zu fahrenden, weil mit grobem teils nassem Geröll versehenen Pfaden aus der Römerzeit steil bergab bis Calliano. Es folgte eine Tempohatz mit bis zu 45km/h (auf dem Bike!!) über Radwege bis nach Rovereto. Den See schon im Blickfeld mussten die beiden aber noch den Monte Faé bezwingen. Nur 700hm, aber mit Steigungen bis 17% in der Mittagssonne, nach 6 Tagen im Sattel, wieder eine echte Challenge. Die Belohnung für diese letzte Quälerei war dann der Naranch Trail, ein echtes Schmankerl unter den Trails rund um Riva.
Und dann war es geschafft! Unter dem Applaus von hunderten Zuschauern entlang der Seepromenade des Gardasees konnten unsere Langstrecken Helden die Zieldurchfahrt, am La Rocca, im Hafen von Riva, nach ca. 4h30min und Tagesrang 62. im Herrenklassement, genießen.
Markus und Andi erreichten im Overall Ranking bei den Männern mit einer Gesamtzeit von 33h35min Platz 66 von über 130 gestarteten Teams und wurden insgesamt als 140. Team von knapp 500 angetretenen gewertet.

Was bleibt?

  • ein unvergessliches Bike Erlebnis, das sich ewig ins Gedächtnis eingebrannt hat.
  • der Stolz diese Herausforderung geschafft zu haben bleibt, der damit verbundene Schmerz geht
  • eine tolle Gemeinschaft („Mühlviertler Gang“ – Andi und Mark, Eva und Paul, Claudia und Viki) sowie neue Bekanntschaften
  • die After-Race Party wurde richtig gerockt, gemeinsam mit den Profis vom Team Centurion Vaude (Daniel Geismayr, Markus Kaufmann, …) und Topeak Ergon (Alban Lakata) und Andi’s Geburtstag ordentlich gefeiert;-)

Ein abschließendes, persönliches Statement des Verfassers:

Wir möchten uns herzlichst bei allen bedanken die uns in der Vorbereitung unterstützt haben (Familie, Sponsoren, Trainer, …). Größter Dank gilt hier auch Alex und Nina für die perfekte vor Ort Betreuung (Transport, Massage, Getränkeservice, etc.) – ohne Euch wäre die Transalp in dieser Form kaum möglich gewesen. Unglaublicher Respekt vor Markus der die 7 Tage trotz seines Diabetes gerockt hat!

Quelle: Dr. Andreas Leitner

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